Staatseigentum zum Aktionspreis

2001 wurde das altehrwürdige Wiener Auktionshaus Dorotheum privatisiert. Von anfangs 60 Interessenten verzichteten einige, andere wurden ohne nachvollziehbaren Grund vom Verfahren ausgeschlossen. Zuletzt blieben nur zwei Bietergruppen übrig. Deren Angebote lagen knapp beisammen und weit unter dem tatsächlichen Wert des Dorotheums. Freier Markt und ein transparentes Veräußerungsverfahren sehen anders aus.

Käufer war schließlich eine Gruppe um den Kärntner Immobilienunternehmer Erwin Soravia und den Kronenzeitungserben Christoph Dichand. Der neue Dorotheumsdirektor Martin Ohneberg, ein ehemaliger Soravia-Manager, hält 2% und der Investor Michael Tojner ein Viertel der Anteile.

Mit 70 Mio. Euro lag der Kaufpreis jedenfalls um 10 bis 20 Mio. Euro unter der Preisempfehlung der Investmentbank, die für den Verkauf engagiert worden war und dafür selbst gleich einmal saftige 2 Mio. Euro kassiert hatte. Weit mehr als üblich. Dem nicht genug, wandelte das Finanzministerium vor dem Verkauf und ohne Not das Dorotheum von einer GmbH in eine GmbH & Co KG um, wodurch sich der Käufer 17 Mio. Euro an Steuer sparen konnte. Der Erlös für die Republik verringerte sich somit auf 53 Mio. Euro, nach Abzug der Spesen auf 50 Mio. Euro. Die neuen Eigentümer verkauften im folgenden Jahr acht der dreizehn Immobilien des Dorotheums um 42 Mio. Euro und hatten damit den Kaufpreis fast wieder herinnen.[1]

Michael Ramprecht, zum Zeitpunkt der Privatisierung im Kabinett Finanzminister Grassers, gab 2009 zu Protokoll, Dorotheumsgeschäftsführer Ohneberg habe erklärt, dass Grasser im Zuge der Privatisierung “nur Bargeld” genommen hätte. Ohneberg bestritt diese Aussage, was ihm eine Anklage wegen falscher Zeugenaussage einbrachte. Er wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.[2]


[1]   Siehe Bericht des Rechnungshofs, Bund 2012/8, https://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/2012/berichte/teilberichte/bund/Bund_2012_08/Bund_2012_08_3.pdf

[2]          Siehe Der Standard, 10.6.2011, Freispruch für Ex-Soravia-Manager Ohneberg, http://derstandard.at/13045541

81815/GrasserDorotheum-Freispruch-fuer-Ex-Soravia-Manager-Ohneberg