Hat es die amtierende Regierung bisher geschafft, mit ihrer Politik die Interessen der Mehrheit zu bedienen (oft auf Kosten von Minderheiten und sozial Schwachen), so wird die verunglückte Karfreitagsregelung mehr und mehr zum Fiasko. Nachdem der EuGH die bisher geltende Gesetzeslage und damit den Karfreitag als Feiertag für Evangelische und Altkatholiken als diskriminierend aufgehoben hat, folgte eine verunglückte Reparatur durch die türkisblaue Regierung: „Anstatt allen ArbeitnehmerInnen einen zusätzlichen Tag frei zu geben und damit die Härten des 12-Stunden-Zwangsarbeitstages etwas abzufedern, kam am Schluss der ‚persönliche Feiertag‘. Die Erlaubnis also, einen eigenen Urlaubstag am Freitag vor Ostern in Anspruch zu nehmen. Viel direkter kann man den Menschen kaum den Mittelfinger zeigen“, fasst Daniela Holzinger, Arbeits- und Sozialsprecherin von JETZT, die Entwicklung zusammen.

Weil Urlaubsdiebstahl der VP/FP Regierung nicht hingenommen wird, entscheiden sich Gemeinden vielfach, ArbeitnehmerInnen religiös zu diskriminieren – das ist untragbar

Damit aber war die Geschichte noch nicht zu Ende. So verkünden immer mehr Ortschefs und Kommunen, eigene Karfreitagsregelungen für ihre MitarbeiterInnen treffen zu wollen. Diese reichen dabei von einem zusätzlichen freien Tag für alle – womit etwa Mödlings ÖVP-Bürgermeister auf die Linie der Opposition einschwenkt. Andere Ortschefs kündigen gar an, die alte diskriminierende Regelung weiter aufrecht erhalten und nur Mitgliedern einzelner Glaubensgemeinschaften freigeben zu wollen. Letzteres wird etwa vom grünen Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi ins Auge gefasst – an Irrsinn kaum zu überbieten, wie Holzinger meint: „Der EuGH hat zurecht festgestellt, dass es nicht zulässig ist, Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Privilegien einzuräumen. Wird dies nun von einer arbeitnehmerfeindlichen Regierung genutzt, um den Feiertag für alle zu streichen, so ist das das Eine – wenn sich aber nun der linke Protest dagegen in einer Form äußert, die religiöse Diskriminierung wieder einführt, so ist dies an Absurdität nicht mehr zu übertreffen! Ich fordere den Innsbrucker Stadtchef und alle KommunalpolitikerInnen mit ähnlichen Phantasien daher auf, diesen mittelalterlichen Irrweg zu verlassen und stattdessen allen MitarbeiterInnen einen zusätzlichen – frei wählbaren Urlaubstag – einzuräumen!“