Seit 1979 findet auch in Wien der sogenannte „Al-Quds Aufmarsch“ statt. Der Tag wurde vom iranischen Religions- und Revolutionsführer Ayatollah Khomeini kurz nach der islamischen Revolution ausgerufen. Er versteht sich selbst als „Kampftag zur Rückeroberung Jerusalems von den zionistischen Besatzern“. In der – nach Geschlechtern getrennten – Demonstration wird Propaganda zur Vernichtung Israels verbreitet.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu antisemitischen Vorfällen. So wurden 2014 Transparente wie „Boykottiert das 4. Reich Zionisten = Nazis“ gezeigt – mit Abbildung eines Davidsterns, der zum Hakenkreuz abgeändert wurde. Bei späteren Demonstrationen wurden Fahnen der Terrormiliz Hisbollah mitgeführt. Vergangenes Jahr tauchte ein Konterfei des iranischen Militärs Gassem Soleimani auf, wie dies eine Dokumentation der “Informations- und Beobachtungsstelle Antisemitismus” aufzeigt. Experten vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) stufen die jährliche Veranstaltung als antisemitisch ein.

„Ein Aufmarsch, bei dem antisemitische Parolen und Botschaften verbreitet werden und bei dem zum Kampf aufgerufen wird, richtet sich gegen unsere jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen und hat in Wien daher keinen Platz. Aufrufe zur militärischen Vernichtung Israels überschreiten alle roten Linien und entsprechen daher nicht einer Friedendemonstration. Hetze und ein Aufruf zur Gewalt fällt nicht unter die Meinungsfreiheit. Deshalb fordern wir ein Verbot des antisemitischen Aufmarsches“, sagt Alma Zadic, Menschenrechtssprecherin von JETZT.

„Gerne unterstütze ich die demokratische und säkulare Opposition im Iran und hier im Exil. Mullahs, die durch Wien laufen und zur Vernichtung Israels aufrufen, braucht hier wirklich kein Mensch“, sagt Daniela Holzinger, Abgeordnete von JETZT.

Beide Nationalrats-Abgeordnete rufen auch dazu auf, an der Gegenkundgebung „Gemeinsam gegen jeden Antisemitismus! Kein Al-Quds Tag in Wien!“ teilzunehmen. Diese findet am Samstag, 1. Juni, von 15:30 bis 17:00 am Graben in Wien statt. Mitaufrufende sind unter anderem die Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen, der Republikanischen Club, die GRAS und viele Einzelpersonen.