Nach eigenen Angaben verfügt die Wirtschaftskammer Oberösterreich Ende 2018 über rund 80.000 aktive Mitglieder. Sie umfasst dabei höchst unterschiedliche Unternehmen, vom neugegründeten EPU, bis hin zum Global Player. Unternehmen, die vor der Hand wenig gemeinsam haben, außer vielleicht den Erhalt des regelmäßig erscheinenden E-Mail Newsletters „Service-News“.

Aktueller WKÖ-OÖ-Mitglieder-Newsletter spiegelt Anti-Arbeitnehmer-Regierungspolitik wider

In der aktuellen Ausgabe 1/2019 wirbt Ex-VP Landesrätin und WKOÖ Präsidentin Doris Hummer für eine bevorstehende Info-Veranstaltung zum Thema „Krankenstandsfälle – der richtige Umgang“. Laut Begleittext biete diese „das nötige Handwerkszeug, um Fragen der (…) Vertragsauflösungen im oder wegen eines Krankenstandes sowie die Behandlung von Verdachtsfällen auf Krankenstandsmissbrauch sicher beantworten zu können.“

Eine Wortwahl, die laut JETZT-Arbeits- und Sozialsprecherin, Daniela Holzinger, zeigt, wozu die arbeitnehmerfeindliche türkis-blaue Bundes- und Landespolitik bereits geführt hat: „Rechtsberatung ist das eine, doch Arbeitnehmer pauschal als Sozialschmarotzer (Krankenstandsmissbrauch) hinzustellen und Tipps zu geben, wie man sich ihrer im Krankheitsfalle am besten entledigt, spricht eine eindeutige Sprache. ArbeitnehmerInnen werden als Belastung dargestellt und zum Produktionsmittel, zur Kostenstelle degradiert.“

Obwohl nicht davon auszugehen ist, dass es sich dabei lediglich um eine missglückte Formulierung handelt, sondern viel eher um den Ausdruck einer schon längst vollzogenen Abkehr vom sozialpartnerschaftlichen Gedanken gegenseitiger Wertschätzung, fordert Arbeits- und Sozialsprechrein Holzinger die WKOÖ Präsidentin zur sofortigen Richtigstellung und öffentlichen Entschuldigung auf: „Frau Hummer ist selbst junge Mutter und sollte sich in die Lage einer Familie versetzen können und was es insbesondere für Kinder bedeutet, wenn ein Elternteil nicht nur erkrankt, sondern dann aufgrund dieser Krankheit auch noch den Job verliert. Genau solche Situationen zu provozieren scheint aber das Ziel dieser WKOÖ-Veranstaltung zu sein. Das kann Hummer nicht gutheißen“, kritisiert Holzinger und weiter: „Ich fordere die Präsidentin daher auf, sich öffentlich zu erklären, die im Newsletter getroffenen Äußerungen zurückzunehmen und in Hinkunft die WKOÖ wieder auf den Weg der Gemeinsamkeit zu führen. Immerhin wird auch von Seiten der ArbeitgeberInnen zu feierlichen Anlässen fortwährend betont, dass ein Unternehmen nichts ohne seine MitarbeiterInnen ist. Diese tiefe Verantwortung der Belegschaft gegenüber kommt in der Wortwahl der Wirtschaftskammer heute nicht mehr zum Ausdruck.“