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Laut dem Institut für höhere Studien (IHS) ist die Zahl an Bildungsabbrechern in Österreich, also jenen Personen unter 24 Jahren ohne Pflichtschulabschluss, wesentlich höher als offizielle EU-Zahlen angeben.

Stephanie Cox, Bildungssprecherin von JETZT, meint dazu: „Anhand dieser Zahlen wird klar, dass Türkis-Blau mit ihrer Bildungsselektion ein Ansteigen von Bildungsabbrechern verstärkt hat. Die Selektion im Bildungssystem, die mit den Deutschförderklassen, der Wiedereinführung der Leistungsgruppen sowie den Schulnoten in der Volksschule und der Stärkung der Sonderschulen vorangetrieben wurden – all das führt dazu, dass jene Menschen, die im Bildungssystem benachteiligt sind, noch mehr ausgeschlossen werden.“

Cox weiter: „Das Ziel muss sein, die Stärken der Kinder zu fördern. Dafür braucht es auch mehr Unterstützungspersonal an den Schulen wie etwa SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und auch administratives Personal. Eine weitere Möglichkeit ist, einen Sozialindex einzuführen und damit mehr Geld für jene Schulen zur Verfügung zu stellen, die vor besonderen Herausforderungen stehen. Eine Lösung ist es auch, die Mittel aus dem Integrationstopf zu verlängern, der etwa erfolgreiche Projekte wie die mobilen interkulturellen Teams ermöglicht hat.“

„Das Bildungssystem hat hier eine Verantwortung und muss an den richtigen Hebeln drehen. Eine Herausforderung ist auch noch immer, dass Bildung in Österreich hochgradig vererbt wird. Daran müssen wir etwas ändern“, fordert Cox.

„Die Deutschförderklassen ein Erfolg, tatsächlich?“, fragt sich Stephanie Cox, Bildungssprecherin der Liste JETZT. „Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild. Wie kann man die Rückführung von 16 Prozent der Schüler*innen in die Regelklasse als Erfolg verzeichnen, wenn diese auf Basis einer subjektiven Entscheidung getroffen wurde, ohne dass ein Sprachstandstest erfolgt ist? Wie unterschiedlich diese subjektiven Entscheidungen ausgefallen sind, ist auch anhand der stark variierenden Prozentsätze der Bundesländer, die zwischen drei und 33 Prozent liegen, zu erkennen.“

Zusätzlich macht Cox darauf aufmerksam, dass sich zahlreiche Expertinnen bereits sehr kritisch vor der Einführung der Deutschförderklassen geäußert haben. Studien aus Deutschland bestätigten diese Kritik: „In Deutschland haben die segregierten Deutschklassen nicht den versprochenen Erfolg gebracht und, um wieder nach Österreich zurück zu kommen, in Summe wurden unseren Schülerinnen nun Deutschförderstunden gestrichen – sieht so ein Erfolg aus? Sollte es nicht vielmehr darum gehen, den Schüler*innen Möglichkeiten zum Spracherwerb und damit zur besseren Integration wie auch zu faireren Chancen am Arbeitsmarkt zu bieten?“

Cox hat dazu auch eine parlamentarische Anfrage geplant, denn sie kritisiert weiters: „Den Direktor*innen werden die Deutschförderklassen ebenso aufs Auge gedrückt wie den Eltern, die damit bei der Schuleinschreibung verunsichert werden, weil die Deutschkenntnisse ihrer Kinder möglicherweise als ungenügend oder mangelhaft bewertet werden. Die Regierung zeigt damit deutlich, welchen Kurs sie in Sachen Integration fährt – nämlich den der Segregation.“

„Wenn Minister Faßmann glaubt, dass durch die heute veröffentlichten Zahlen alle Zweifel an den Deutschförderklassen weggewischt wären, dann liegt er falsch. Wir haben von Anfang an diese segregierende Deutschförderung abgelehnt, weil die Kinder dadurch stigmatisiert und ausgeschlossen werden“, kritisiert Stephanie Cox, Bildungssprecherin von JETZT, und fordert: „Es wäre wichtig, auch darauf zu achten, wie es den Kindern in den Deutschförderklassen und vor allem bei der Rückkehr in ihre Stammklassen geht.“

„Es ist erfreulich, dass nach einem Semester 15 Prozent der Kinder in ihre Stammklasse gegangen sind. Das bedeutet aber auch, dass 85 Prozent mindestens ein Jahr in ihrer Schullaufbahn verlieren, weil sie dann ab dem nächsten Jahr wieder eine andere Stammklasse haben. Viele der Kinder werden sogar zwei Schuljahre verlieren und dann als 8-jährige in die erste Klasse gehen. Ich bin gespannt, welche Folgen das für die Integration der Kinder in den Klassenverband hat“, sagt Cox und fordert, dass man nicht nur die Zahlen betrachtet, sondern dass es auch eine Evaluation zur sozialen Integration der Kinder gibt.