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Über dem bekannten Jugendstilareal von Otto Wagner auf den Steinhofgründen kreisen seit Jahren die Immobiliengeier. Sie warten darauf, die historische Substanz in Stücke zu reißen und profitabel zu verwerten. Und sie haben damit bereits angefangen. Wie so oft mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt Wien. Das Spital am Steinhof wird scheibchenweise „verwertet“.

2006 änderten SPÖ und FPÖ die Flächenwidmung.[1] Was hundert Jahre für medizinische und soziale Zwecke zur Verfügung stand, wurde mit einem Schlag zum Spekulationsgut.

Damit war der Weg frei für den Verkauf öffentlichen Eigentums an die Investorengesellschaft Immoconsult, für den Bau des Rehazentrums der VAMED, für mehrere Bauten der GESIBA und für die Fällung von 98 Bäumen.[2] Aber das war nur der Anfang. Schon droht die Aberkennung der Denkmalschutzwürdigkeit einiger Gebäude, um weiteren Neubauten der VAMED und der GESIBA Platz zu machen, die den ganzen Ostbereich verbauen wollen. Mit einem Therapiezentrum, einer Wellness- und Spa-Anlage und mit 600 Wohnungen (Die Pläne dafür stammen vom SPÖ-nahen Architekten, der auch das Krankenhaus Nord entworfen hat). Danach werden die abgesiedelten Pavillons im Osten dem Luxuswohnsektor geopfert. In der Folge sind Zwischen- und Randverbauungen auf dem ganzen riesigen Areal vorgesehen (laut Flächenwidmung, die eine eindeutige Absichtserklärung darstellt). Und diese Serie an Bautätigkeiten folgt wie so oft keinem Plan, ein schon lange gefordertes Gesamtkonzept fehlt.

Zudem agiert die Stadt Wien höchst ungeschickt, sodass unterm Strich für die öffentliche Hand mehr Kosten als Nutzen entstehen. Statt der prognostizierten Erlöse in Höhe von 23 Mio. Euro brachten die Grundstücke der Stadt lediglich 5,98 Mio. Euro.[3] Nutznießerin des Projekts ist somit die GESIBA, die nicht nur günstig zum Baurecht gekommen ist, sondern darüber hinaus dem KAV nach Vertragsänderung auch Architektenhonorare von 110.000 Euro und die Grunderwerbssteuer in Höhe von 310.000 Euro weiter verrechnen konnte.[4]

Statt für das Areal Welterbe-Schutz zu beantragen (Der Verein ICOMOS hat bereits 2015 einen „Heritage Alert“ ausgelöst und diesen 2017 erneuert), was von den Verantwortlichen tunlichst vermieden wird, geschieht das Gegenteil. Auch am Steinhof wird der Trend fortgesetzt, Schutzmechanismen für historische Bauwerke auszuhebeln um konzept- und maßlosen Bauprojekten Tür und Tor zu öffnen. Die Stadt Wien zeigt keinen Respekt vor ihrem kulturellen Erbe sondern macht alles auf dem schnellsten Weg zu Geld.

Im November 2018 beschloss die Central European University von Budapest nach Wien zu übersiedeln. Ein Mietvertrag für das Otto-Wagner-Spital für 99 Jahre wird verhandelt. Die Uni soll zunächst in ein Übergangsquartier und ab 2022 in das bis dahin adaptierte Spital ziehen.[5] Ob und wie der öffentliche Zugang zur Parkanlage und der Denkmalschutz erhalten bleiben, ist nicht bekannt.


[1]   Siehe Wortprotokoll der Gemeinderatssitzung vom 15.12.2006, https://www.wien.gv.at/mdb/gr/2006/gr-016-w-2006-12-15-037.htm sowie Widmungsplan https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/otto-wagner-areal/pdf/rechtslage-dezember2006.pdf

[2]   Siehe Kurier, 14.2.2017, Otto-Wagner-Areal: 98 Bäume werden gefällt, https://kurier.at/chronik/wien/otto-wagner-areal-98-baeume-werden-gefaellt/246.538.638

[3]   Siehe Prüfbericht des Wiener Stadtrechnungshofs, StRH II- KAV-6/14, 19.12.2014, S.2, http://www.stadtrechnungshof.wien.at/berichte/2016/kurz/bericht02-07.htm

[4]   Siehe Prüfbericht des Wiener Stadtrechnungshofs, StRH II- KAV-6/14, 19.12.2014, S.50, http://www.stadtrechnungshof.wien.at/berichte/2016/kurz/bericht02-07.htm

[5]   Siehe Bezirkszeitung Penzing, 12.11.2018, Neue Uni für Steinhof, https://www.meinbezirk.at/penzing/c-politik/soros-uni-sucht-uebergangsquartier-ab-2019_a3033159