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2008 wurde von der öffentlichen Hand ein Grundstück am Wiener Heumarkt für 4,2 Mio. Euro verkauft. Viel zu billig. Der Rechnungshof kritisierte das Geschäft scharf und meinte, der Verkauf durch den Stadterweiterungsfonds hätte so nie stattfinden dürfen. [1] Für das Grundstück in bester Lage hätte es zur selben Zeit Angebote in Höhe von 9 Mio. Euro gegeben, was immer noch deutlich unter dem Schätzwert lag. 2012 wurde es an den Investor Michael Tojner übertragen, der offenbar immer schon hinter dem Deal gestanden ist und der im selben Jahr auch das benachbarte Hotel Intercontinental und damit das gesamte Areal in seinen Besitz bringen konnte.

Schon diese Verkäufe haben ein unsauberes Bild erzeugt. Das hinderte die Politik aber nicht daran, dem neuen Eigentümer auch weiter den Weg zu ebnen. 2017 widmete der Wiener Gemeinderat das Areal ganz nach den Bedürfnissen des Investors Michael Tojner und rechtlich unhaltbar um. Mit der Umwidmung wurde es möglich, ein Hochhaus zu errichten und allein mit dieser Widmung ist der Wert des Areals, ohne Vorteile für die Öffentlichkeit, dramatisch gestiegen. Aber nicht nur das. Mitten ins Weltkulturerbe sollen tatsächlich zwei Hochhäuser geklotzt werden mit Luxus-Penthouse-Wohnungen in den obersten Stockwerken. Ein Spekulant darf Türme auf ein geschütztes Grundstück stellen, um Profit zu machen? Der Stadt Wien kann das teuer zu stehen kommen. Wien wurde mittlerweile auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten der UNESCO gesetzt und kann das „Welterbe“ jederzeit verlieren. Damit freilich wäre der Weg frei für weitere Hochhäuser im innerstädtischen Bereich, ein lang gehegter Wunsch der Profitgier.

Auch die Bundesregierung sieht tatenlos zu. Sie hätte die gesetzliche Pflicht, die Flächenwidmung zu revidieren, um dem Völkerrecht zu entsprechen, bleibt aber untätig und  macht sich mitschuldig. Stadtregierung und Bundesregierung haben sich mit dem Investor und einer auffallend schweigsamen Medienlandschaft arrangiert. Offensichtlich profitieren mehrere.


[1] Rechnungshof, Reihe Bund 2013/4, Wiener Stadterweiterungsfonds, S.44f, https://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/2013/berichte/teilberichte/bund/Bund_2013_04/Bund_2013_04_1.pdf