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Das Krankenhaus Nord wurde um eine Milliarde teurer als geplant. Ein exemplarischer Fall Wiener Misswirtschaft. Hier wurde nicht nach wirtschaftlichen Kriterien, sondern über Seilschaften entschieden.

Die 95.000 Euro, die für einen Energetiker bezahlt wurden, der einen Schutzring um das Krankenhaus legen sollte, oder die 800.000 Euro für die Wartung des Bauzauns sind nur zwei bizarre Höhepunkte.[1] Die strukturellen Probleme des Bauprojekts sind viel tiefgreifender und machen klar: Die Stadt Wien ist kein guter Bauherr. Im Fall Krankenhaus Nord hat sie es sträflich vernachlässigt, ein professionelles Generalunternehmen zu beauftragen, was wohl der Ursprung dieser beispiellosen Pannenserie war. So hat der Stadtrechnungshof festgestellt, dass das Bauprojekt wiederholt von groben Planungsfehlern und Neuausschreibungen zurückgeworfen wurde, die nicht nur viel Zeit, sondern vor allem auch viel Geld gekostet haben. War am Anfang des Projekts noch von 250-300 Millionen Euro und einer Fertigstellung im Jahr 2011 die Rede, sind die Kosten laut offiziellen Angaben um eine Milliarde auf rund 1,3 Milliarden Euro angestiegen.[2] Im Juni 2019 wurde der Betrieb im inzwischen in Krankenhaus Floridsdorf umbenannten Haus aufgenommen, acht Jahre später als angekündigt.Fehler in der Planung reichen von der fragwürdigen Grundstückswahl über einen verabsäumten zwischenzeitlichen Baustopp und vermeidbaren Konstruktionsfehlern bis zu fehlenden internen Vorgaben zur Direktvergabe. 430 von 550 Vergaben erfolgten ohne Einholung von Vergleichsangeboten oder funktionierendes Controlling.[3] In den meisten Fällen wurde willkürlich entschieden, wer beauftragt wird. Und hier schließt sich der Kreis zum energetischen Schutzring, der auch direkt vergeben wurde und – wie es der Zufall will – vom Auftragsvolumen 5.000 Euro unter der 100.000-Euro-Schwelle lag, ab der Direktvergaben verboten sind. Der eine oder andere Günstling wird ein gutes Geschäfte gemacht haben. Manche Anbieter lagen auffällig nahe beieinander, andere – wie die Porr – bekamen als Bestbieter Aufträge wurden im Zuge der Umsetzung aber immer teurer! Erwähnt muss auch der sozialdemokratische Hofarchitekt und Ehemann der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten werden, der nie zuvor ein Krankenhaus geplant hat, sich aber gegen 37 Mitbewerber durchsetzen konnte. Wie viele Aufträge beim Bauprojekt Krankenhaus Nord unter dubiosen Umständen vergeben wurden, ist Gegenstand einer


[1]    Siehe Die Presse vom 15.3.2018, „Energetische Reinigung“ für Krankenhaus Nord: Projektleiterin abgezogen, https://diepresse.com/home/panorama/wien/5389201/Spital-Nord_Energetische-Reinigung-fuer-Krankenhaus-Nord_

[2]    Siehe APA 285 vom 18.2.2005: „Die Errichtung des neuen Krankenhauses Nord wird 250 bis 300 Mio. Euro kosten, sagte Gesundheits- und Sozialstadträtin Renate Brauner (S) am Freitag am Rande der SP-Klubtagung in Rust.“ und OTS des KAV vom 3.7.2019, https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190703_OTS0111/alle-uebersiedlungen-ins-kh-nord-klinik-floridsdorf-sind-abgeschlossen 

[3]    Siehe Berichte des Rechnungshofs, Reihe Wien 2018/6, https://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/_jahre/2018/berichte/berichte/KH_Nord_Bericht.pdf
und: Der Standard vom 24.7.2018, Karankenhaus Wien-Nord: Zaunwartung kostete 839.000 Euro, https://derstandard.at/2000084044894/Krankenhaus-Nord-Zaunwartung-um-839-000-Euro