Grafik Vienna Capital Partners VCP

Scheinaufträge rund um die HYPO

Die Firma Vienna Capital Partners (VCP) hat viele millionenschwere Beratungsaufträge von der Hypo erhalten. Einer davon führte im Jahr 2007 zu einer strafrechtlichen Verurteilung:[1] Das  „Fairness Opinion“ sollte einschätzen, ob der gebotene Preis für den Verkauf der Hypo angemessen sei. Erstes Problem: Das Papier wurde zwar von der Hypo in Auftrag gegeben, musste daher auch von ihr bezahlt werden, die Hypo hatte aber gar kein Interesse an dieser Einschätzung. Verkauft wurde die Bank nämlich von derKärntnerLandesholding.  Zweites Problem: Die VCP konnte dieses Papier gar nicht erstellen. Sie beauftragte daher ihrerseits die HSBC, eine der weltweit größten Banken mit dem Gutachten und zahlte dieser Bank zwischen zwei und drei Millionen Euro. Der Hypo indes verrechnete sie 3,8 Mio. Euro.[2]

Die Hypo bezahlte an VCP den Betrag. Offiziell allerdings für erfundene Scheinaufträge wie „Adam“, „Floating“ oder „Klammer“.  Wieder einmal war jemand beauftragt worden, der für eine nicht erbrachte Leistung eine überhöhte Rechnung legte. Dafür wurden die Hypo Vorstände Berlin, Kulterer und Kircher sowie der VCP Vorstand Pecina verurteilt. Auch die VCP selbst wurde zu einer Verbandsgeldbuße verurteilt. Wobei offen bleibt, wer von den rund 1,3 Mio. Euro Differenz tatsächlich profitiert hat. Wer waren die wirtschaftlichen Nutznießer hinter der VCP?

Bekannt sind die engen Verbindungen der VCP zur ÖVP. Christoph Ulmer, der ehemalige Kabinettchef Strassers im Innenministerium, war bei VCP beschäftigt und stellte den Kontakt zur HSBC  her.[3] Das geschah anlässlich der Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen der Hypo 2005, zu denen die HSBC ebenfalls beraten und die VCP verrechnet hatten.Kurze Zeit nach Ulmer stieg auch sein ehemaliger Chef Strasser bei der VCP ein.[4] Sein Gehalt wurde mit 500.000 Euro pro Jahr kolportiert.

[1]    Siehe Die Presse, 11.8.2017, Vier Schuldsprüche im Hypo-Prozess um Fairness Opinion, https://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5270511/Vier-Schuldsprueche-im-HypoProzess-um-Fairness-Opinion

[2]    Siehe Tiroler Tageszeitung, 5.7.2017, Hypo-Prozess um Fairness-Opinion: Videokonferenz mit New York, http://www.tt.com/home/13182043-91/hypo-prozess-um-fairness-opinion-videokonferenz-mit-new-york.csp

[3]    Ulmer arbeitete nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett 2004 ein halbes Jahr bei HSBC in London und stieg dann bei VCP ein (Direktor für Investmentbanking bei der VCP Capital Partners Unternehmensberatungs AG und Mitglied des Vorstandes der VCP Industriebeteiligungs AG). Siehe auch Falter 42/11 zitiert in http://www.stefanapfl.com/2011/10/20/jager-der-macht/

[4]    Strasser gründete mit VCP eine gemeinsame Tochter, die VCP Energy Holding. Ab 2008 war er Mitglied des Advisory Board der VCP. Im Hypo-Untersuchungsausschuss will sich Strasser nicht wirklich erinnern, wann Ulmer bei VCP war.